Wenn das Wasser ausgeht, Teil 3: Wasser aufbereiten
Abkochen, Filtern, Desinfizieren: Was jede Methode gegen Bakterien, Viren und Parasiten leistet, wie lange und in welcher Dosierung, und was nach Hochwasser oder Blackout in Deutschland anders ist.
Worum es in diesem Teil geht
Teil 1 hat gezeigt, wie du Dehydration erkennst und Wasser sparst. Teil 2, wo du Wasser findest und was du nie trinken solltest. Dieser Teil schließt die Lücke, die in vielen Survival-Ratgebern offen bleibt: Wie machst du aus gefundenem oder verdächtigem Wasser Trinkwasser?
Drei Methoden reichen für alle realistischen Fälle. Keine davon ist perfekt, deshalb lohnt es sich zu wissen, was jede kann und was nicht.
Womit du es zu tun hast
| Erreger | Beispiele | Typische Quelle in Deutschland | Was hilft |
|---|---|---|---|
| Bakterien | E. coli, Campylobacter, Leptospiren | Weidewasser, Kanalisation, Hochwasser (Leptospiren aus Nagetier-Urin) | Abkochen, Filter, Chemie |
| Viren | Noro-, Rota-, Hepatitis-A-Viren | Kanalisation, Hochwasser, beschädigtes Leitungsnetz | Abkochen, Chemie. Nicht der Hohlfaserfilter |
| Parasiten (Protozoen) | Giardia, Cryptosporidium | Bäche unterhalb von Weiden, Wildtiere | Abkochen, Filter. Chemie nur schwach |
| Chemikalien | Heizöl, Pflanzenschutzmittel, Schwermetalle | Vollgelaufene Keller, Industriegebiete, Ackerabschwemmung | Keine der drei Methoden. Solches Wasser meiden |
Die Tabelle erklärt, warum die Antwort auf „Welcher Wasserfilter ist der beste?” von der Situation abhängt: Ein Filter, der im Gebirge alles Nötige leistet, lässt nach einem Hochwasser genau die Erreger durch, die dort die realistische Gefahr sind.
Methode 1: Abkochen
Die zuverlässigste Methode. Sobald das Wasser sprudelnd kocht, sind Bakterien, Viren und Parasiten abgetötet. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, das Wasser eine Minute sprudelnd kochen zu lassen; oberhalb von etwa 2.000 Metern drei Minuten, weil Wasser dort bei niedrigerer Temperatur siedet. Bei einem Ausfall der Wasserversorgung geben die deutschen Wasserversorger dieselbe Anweisung: „Abkochgebot” heißt sprudelnd kochen, dann abkühlen lassen.
So gehst du vor:
- Trübes Wasser zuerst durch ein Tuch, einen Kaffeefilter oder ein sauberes T-Shirt gießen. Das entfernt Schwebstoffe, keine Keime.
- Zum Kochen bringen, eine Minute sprudeln lassen.
- Abgedeckt abkühlen lassen. Abgekochtes Wasser schmeckt fad, weil Luft fehlt: mehrmals zwischen zwei sauberen Gefäßen umgießen, dann schmeckt es wieder normal.
- In einem sauberen, geschlossenen Behälter aufbewahren.
Grenzen: Abkochen entfernt keine Chemikalien und kein Salz. Und es braucht Energie: Beim Blackout kochst du auf dem Campingkocher oder Gaskocher, nie mit Holzkohle oder Gasgrill in der Wohnung (Kohlenmonoxid). Rechne mit etwa 10 Minuten Brenndauer pro Liter, das ist beim Kartuschenvorrat einzuplanen.
Methode 2: Filtern
Hohlfaserfilter wie der Sawyer Mini oder der Katadyn BeFree haben Poren von etwa 0,1 Mikrometer. Das hält Bakterien (ab etwa 0,2 Mikrometer) und Parasiten-Zysten (ab 1 Mikrometer) sicher zurück. Viren sind 0,02 bis 0,1 Mikrometer klein und gehen durch.
Wofür der Filter ideal ist: Bäche, Seen und Quellen in Wald und Gebirge. Dort sind Bakterien und Parasiten das Risiko, Viren praktisch nicht. Der Filter ist leicht, braucht keine Energie und liefert Wasser in Sekunden. Für die Wandertour und das Notgepäck die praktischste Lösung.
Wofür er allein nicht reicht: Hochwasser, Kanalisationseinfluss, ein Leitungsnetz mit Rohrbruch. Dort kommen Viren wie Noro und Hepatitis A dazu. Dann: filtern und abkochen, oder filtern und chemisch desinfizieren. Der Filter entfernt vorher die Trübung, damit die zweite Stufe zuverlässig wirkt.
Pflege: Hohlfaserfilter dürfen nach dem ersten Gebrauch nie mehr einfrieren, sonst reißen die Fasern und der Filter lässt alles durch, ohne dass man es sieht. Im Winter gehört er nachts in den Schlafsack. Rückspülen nach jeder Tour, Durchfluss beobachten: Wird er zäh, sind die Fasern verstopft.
Was wir bei Filtern empfehlen und wo die Grenze liegt, steht auf der Empfehlungsseite. Aktivkohle-Filter (etwa in Trinkflaschen) verbessern Geschmack und binden manche Chemikalien, sind aber keine Keimsperre.
Methode 3: Chemisch desinfizieren
Tabletten oder Tropfen auf Chlor- oder Silberbasis gibt es in Apotheke und Outdoor-Laden (Micropur, Aquatabs und ähnliche). Sie töten Bakterien und Viren, gegen Giardien wirken sie eingeschränkt, gegen Cryptosporidien kaum. Deshalb gilt: Chemie ist die richtige Ergänzung zum Filter, nicht sein Ersatz.
So gehst du vor:
- Dosierung nach Packungsangabe, sie unterscheidet sich je nach Produkt. Faustregel bei Chlortabletten: eine Tablette pro Liter.
- Einwirkzeit einhalten: bei Chlor mindestens 30 Minuten, bei kaltem oder trübem Wasser länger. Silberpräparate zur Konservierung brauchen bis zu zwei Stunden.
- Trübes Wasser vorher filtern oder absetzen lassen, sonst verbrauchen die Schwebstoffe das Desinfektionsmittel.
Haushaltsbleiche als Notlösung: In vielen englischsprachigen Ratgebern steht das Rezept mit Chlorbleiche. In Deutschland ist das heikel, weil die Konzentration von Haushaltsprodukten stark schwankt und viele Reiniger Duftstoffe oder Tenside enthalten. Wenn wirklich nichts anderes da ist: nur reines, parfümfreies Natriumhypochlorit, etwa 2 Tropfen pro Liter bei 5 % Konzentration, 30 Minuten einwirken lassen. Das Wasser sollte danach schwach nach Chlor riechen. Besser: zwei Packungen Tabletten in die Hausapotheke legen, sie kosten wenige Euro und halten Jahre.
Welche Methode wann?
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Wandertour, Bergbach | Filter. Bei Weiden oberhalb zusätzlich Tabletten oder abkochen |
| Blackout zu Hause, Leitungswasser läuft noch | Meist unnötig. Der Versorger warnt per Radio, Cell Broadcast oder Lautsprecherwagen, wenn ein Abkochgebot gilt. Vorrat anbrechen |
| Abkochgebot des Versorgers | Abkochen, eine Minute sprudelnd. Gilt auch fürs Zähneputzen und für Babynahrung |
| Nach Hochwasser, Hausbrunnen oder Keller | Nicht trinken. Trinkwasser aus Vorrat, Notbrunnen oder von der Feuerwehr. Falls unumgänglich: filtern und abkochen |
| Regenwasser aus der Tonne | Filtern und abkochen; Dachabfluss trägt Vogelkot ein |
| Wasser mit Ölfilm oder chemischem Geruch | Gar nicht. Keine Methode entfernt gelöste Chemikalien zuverlässig |
Die beste Aufbereitung ist der Vorrat
Alles bisher Gesagte betrifft den Fall, dass du Wasser suchen musst. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen: 2 Liter Flüssigkeit pro Person und Tag für zehn Tage, also 20 Liter pro Kopf, im Keller oder Abstellraum. Gekauftes Mineralwasser in PET-Flaschen hält sich über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus, solange es kühl und dunkel steht. Dazu ein paar 10-Liter-Kanister, die du bei einer Warnung schnell aus der Leitung füllen kannst, und ein Filter plus Tabletten für den Fall, dass der Vorrat nicht reicht.
Damit ist die Wasser-Serie komplett. Wer die Zahlen des BBK für Lebensmittel, Hygiene und Dokumente dazu haben will, findet sie in unserem Artikel zur Notfallvorsorge in Deutschland.
Das Wichtigste in Kürze
- Abkochen tötet alles Biologische: eine Minute sprudelnd, über 2.000 Metern drei Minuten.
- Hohlfaserfilter halten Bakterien und Parasiten zurück, keine Viren. Nie einfrieren lassen.
- Chlortabletten töten Bakterien und Viren, gegen Parasiten helfen sie kaum. Mindestens 30 Minuten einwirken lassen.
- Nach Hochwasser immer zwei Stufen kombinieren, besser: Vorrat oder Notbrunnen.
- Chemikalien entfernt keine der Methoden. Wasser mit Ölfilm oder Geruch bleibt stehen.
- Vorrat nach BBK: 2 Liter pro Person und Tag für zehn Tage.
Redaktion survival-skills.de. Wir testen keine Produkte und geben keine Noten. Empfehlungen zur Vorsorge orientieren sich am Ratgeber des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Mehr dazu über uns.