S SURVIVALTRAINING
Wasser · Aktualisiert am

Wenn das Wasser ausgeht, Teil 2

Wasser in der Natur finden: Welche Flüssigkeiten tabu sind, mit welchen sieben Methoden du auch in trockenem Gelände Wasser aufspürst und warum du gefundenes Wasser immer aufbereiten musst.

Illustration: Wassertropfen über einem Fluss, daneben Topf und Filter

Wo findest du in der Natur Wasser?

Diese Frage haben sich schon unzählige unvorbereitete Wanderer gestellt, die sich wegen schlechter Planung plötzlich mit wenig oder gar keinem Wasser wiederfanden. In Deutschland ist das selten eine Wüstensituation: Meist geht es um eine lange Tour im Hochsommer, eine Panne abseits der Straße oder einen Ausfall der Wasserversorgung zu Hause nach Hochwasser oder Blackout.

Bevor wir die Quellen durchgehen, zwei Dinge vorweg. Erstens: Was du auf keinen Fall trinken solltest, selbst wenn du seit Stunden Durst hast. Zweitens, und das ist der wichtigste Satz dieses Artikels: Gefundenes Wasser ist Rohwasser. Es wird aufbereitet, bevor es getrunken wird. Wie das geht, steht in Teil 3.

Was darfst du auf keinen Fall trinken?

1. Meerwasser. Meerwasser enthält rund 35 Gramm Salz pro Liter, weit mehr, als die Nieren ausscheiden können. Wer Meerwasser trinkt, verliert netto Wasser, weil der Körper zum Ausscheiden des Salzes mehr Flüssigkeit braucht, als er aufgenommen hat. Meerwasser taugt einzig dazu, die Haut zu kühlen, für nichts anderes. Trinkbar wird es erst durch Destillation.

2. Tierblut. Bist du in einer Überlebenssituation und bereits dehydriert, ist Tierblut keine Lösung. Es enthält Salz, Eiweiß und Fett, deren Verstoffwechselung zusätzlich Wasser verbraucht. Hinzu kommt das Risiko, sich Krankheitserreger einzufangen, etwa Parasiten und Bakterien. Du nimmst also Flüssigkeit zu dir, aber dein Körper wird dabei nicht hydriert.

3. Menschlicher Urin. In der Survival-Szene ist das Urintrinken bekanntermaßen umstritten, und die Antwort ist klar: nein. Urin ist entgegen einem verbreiteten Mythos nicht steril, sondern enthält Bakterien, Salze und Abbauprodukte, die der Körper gerade loswerden wollte. Trinkst du ihn, muss der Körper dieselben Stoffe erneut ausscheiden, mit noch mehr Wasser. Einem bereits dehydrierten Menschen hilft das nicht, es beschleunigt die Dehydration.

4. Ungeprüftes Hochwasser. Das ist der deutsche Sonderfall. Hochwasser ist keine „Wasserquelle”, sondern eine Mischung aus Flusswasser, Kanalisation, Heizöl aus vollgelaufenen Kellern und Abschwemmungen von Feldern. Wer nach einem Hochwasser Wasser aus dem Keller, aus Pfützen oder aus einem überschwemmten Brunnen trinkt, riskiert Durchfallerkrankungen, Hepatitis A und Leptospirose. Mehr dazu in Teil 3.

Wie suchst du in der Natur nach Wasser?

Jetzt, da du weißt, was du nicht trinken solltest, wird es Zeit, deine Optionen für die Suche zu erkunden.

Beachte: In der Natur ist es unrealistisch, dieselbe Wasserqualität wie aus der Leitung zu erwarten. Deutsches Leitungswasser ist eines der am strengsten überwachten Lebensmittel überhaupt. Ein Bach im Mittelgebirge ist es nicht, auch wenn er klar aussieht: Oberhalb liegen Weiden, Wildwechsel und Kläranlagen-Ausläufe.

Hier sind sieben Wege, wie du in der Natur an Wasser kommst:

  1. Bäche, Quellen und Regenwasser-Abflussrinnen. Fließendes Wasser ist die erste Wahl, je näher an der Quelle, desto besser. Findest du nur trockene Senken und Mulden, in denen früher Wasser stand, ist es möglicherweise in den Boden gesickert. Grab ein Stück, um zu prüfen, ob unter der Erde noch Wasser steht.

  2. Dichte Vegetation. Wenn du in der Landschaft eine ungewöhnlich große, dichte Pflanzenfläche entdeckst, steht darunter womöglich Wasser. Auch hier musst du graben, um herauszufinden, ob sich unter Blättern und Wurzeln etwas verbirgt.

  3. Feuchte Stellen. Eine „feuchte Stelle” ist ein auffällig feuchter Bereich in einer ansonsten trockenen Landschaft. Solche Stellen bedeuten meist, dass unter der Bodenoberfläche Wasser verfügbar ist. Ein Sickerloch, das du gräbst, füllt sich mit der Zeit mit Wasser, das der Boden bereits grob gefiltert hat.

  4. Große Felsen mit Rissen und Mulden. Rissige Felsen funktionieren wie Krüge und Kannen. Sie halten Regenwasser hervorragend und lassen sich vergleichsweise leicht absuchen. Regenwasser aus Felsmulden ist meist die sauberste Quelle, die du in der Natur findest.

  5. Wildwechsel. Die ausgetretenen Pfade, denen Tiere folgen, führen entweder zu Futter oder zu Wasser. Findest du einen gut ausgetretenen Wildwechsel und hast alle näherliegenden Stellen bereits erfolglos abgesucht, kann es sich lohnen, dem Pfad talwärts zu folgen.

  6. Vögel im Flug. Körnerfresser wie Tauben und Finken trinken morgens und abends und fliegen dann zielstrebig und tief. Das ist ein Hinweis, keine Garantie. Greifvögel und Schwalben sagen über Wasser nichts aus.

  7. Insekten. Mückenschwärme und Libellen halten sich in der Nähe von stehendem Wasser auf, Bienen fliegen im Umkreis weniger Kilometer eine Wasserstelle an. Siehst du eine Ameisenstraße einen Baumstamm hinauflaufen, ist oben oft eine wassergefüllte Astgabel.

Und ein achter Weg, der in Deutschland wichtiger ist als alle sieben zusammen: Trinkwassernotbrunnen. Für den Fall, dass die öffentliche Wasserversorgung ausfällt, gibt es in Deutschland rund 5.000 Notbrunnen, überwiegend in Städten. Wo der nächste steht, weiß deine Gemeinde. Das schlägst du jetzt nach, nicht erst, wenn der Hahn trocken bleibt. Details in unserem Artikel zur Notfallvorsorge in Deutschland.

Warum gefundenes Wasser immer aufbereitet wird

Ein klarer Gebirgsbach sieht trinkbar aus. Das Auge sieht aber weder Giardien noch Cryptosporidien, die beiden Parasiten, die weltweit die meisten „Wanderer-Durchfälle” verursachen, und auch keine E.-coli-Bakterien aus Weidewasser. Nach Hochwasser kommen Leptospiren aus Nagetier-Urin und Viren wie Noro und Hepatitis A dazu. Keiner dieser Erreger ist am Geschmack erkennbar.

Die Folge einer Infektion ist Durchfall, und Durchfall in einer Wassermangel-Situation ist genau das, was du nicht brauchst: Er kostet dich pro Tag mehrere Liter Flüssigkeit. Wer Rohwasser trinkt, um Dehydration zu vermeiden, tauscht ein Problem gegen ein größeres.

Deshalb gilt: Finden ist die halbe Arbeit. Aufbereiten ist die andere Hälfte. Die drei Methoden, die in der Praxis funktionieren:

  • Abkochen. Ein Minute sprudelnd kochen tötet Bakterien, Viren und Parasiten zuverlässig ab. Braucht Topf und Feuer, dafür keine Ausrüstung, die kaputtgehen kann.
  • Filtern. Ein Hohlfaserfilter hält Bakterien und Parasiten zurück, aber keine Viren. Für den Bergbach reicht das meist, für Hochwasser nicht.
  • Chemisch desinfizieren. Chlor- oder Silbertabletten aus der Apotheke oder dem Outdoor-Laden töten Bakterien und Viren, gegen Cryptosporidien wirken sie nur schwach. Ideal als Ergänzung zum Filter.

Welche Methode wann, wie lange, in welcher Dosierung und was bei Hochwasser anders ist: Teil 3: Wasser aufbereiten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Meerwasser, Tierblut und Urin machen die Dehydration schlimmer. Hochwasser ist keine Wasserquelle.
  • Fließendes Wasser nahe der Quelle und Regenwasser aus Felsmulden sind die besten Fundstellen; Vegetation, feuchte Stellen, Wildwechsel und Tiere sind Hinweise, keine Garantien.
  • In Deutschland: Trinkwassernotbrunnen der Gemeinde jetzt nachschlagen.
  • Jedes gefundene Wasser wird abgekocht, gefiltert oder chemisch desinfiziert. Klares Wasser ist nicht sauberes Wasser.
  • Nächster Schritt: Teil 3 erklärt die Aufbereitung. Und wer zu Hause den Vorrat von 2 Litern pro Person und Tag für zehn Tage stehen hat, muss in der Regel gar nicht erst suchen.

Redaktion survival-skills.de. Wir testen keine Produkte und geben keine Noten. Empfehlungen zur Vorsorge orientieren sich am Ratgeber des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Mehr dazu über uns.

Weiterlesen

Wasser

Wenn das Wasser ausgeht, Teil 1

Dehydration erkennen, bevor es kritisch wird: Die wichtigsten Warnsignale des Körpers, wie viel Wasser du wirklich verlierst und sechs Strategien, um knappes Wasser gezielt zu sparen.

Weiterlesen →