Das Survival-Mindset entwickeln, Teil 2
Wie wirst du in Katastrophen- und Notsituationen handlungsfähiger?
Im ersten Teil dieser Serie haben wir zwei der größten Hindernisse behandelt, mit denen Survivalisten in Krisenzeiten kämpfen: Schockstarre und Stress.
Wer diese beiden Grundhindernisse überwindet, kommt der ultimativen Waffe gegen Widrigkeiten einen großen Schritt näher: dem Survival-Mindset.
Deine Entwicklung als Survivalist endet aber nicht damit, Stress und Ungläubigkeit zu bezwingen. Beides sind nur Trittsteine auf dem Weg zu schwierigeren, aber nicht weniger entscheidenden Aufgaben: planen und handeln.
Warum sind Planen und Handeln in einer Überlebenssituation etwas völlig anderes?
Etwas zu planen und umzusetzen klingt ganz einfach, wenn du es in einem Buch oder Magazin liest.
In einer echten Überlebenssituation ändert sich jedoch alles. Es kann extrem schwerfallen, sich zusammenzureißen und genau diese beiden Aufgaben anzugehen, die dich aus deiner Notlage herausbringen können.
Wie bringst du genug mentale Stärke auf, um einen Aktionsplan zu entwickeln und mit ihm eine Katastrophe, Verletzung oder einen Notfall zu überstehen?
1. Kümmere dich um dich selbst. Das klingt nach gesundem Menschenverstand, doch in Notsituationen ignorieren Menschen erstaunlich oft Grundbedürfnisse wie Wärme oder ausreichend Flüssigkeit.
Verschaffe dir so viel körperlichen Komfort wie irgend möglich. Denn wenn Schmerz und Elend deinen Körper in jedem Moment quälen, wird sich dein Verstand vor jeder zusätzlichen Aufgabe drücken.
Warum? Weil er vollauf damit beschäftigt ist, Schmerzsignale aus deinem ganzen Körper zu verarbeiten! In einer bedrohlichen, kargen Lage ist jedes bisschen Komfort, das du gewinnst, ein Schritt hin zu einem klaren, reaktionsfähigen Kopf.
2. Setz deinen Röntgenblick ein. Zugegeben, niemand hat wirklich Röntgenaugen, aber die Formulierung hat deine Aufmerksamkeit geweckt, oder? Gemeint ist: Beobachte deine Umgebung wiederholt und sehr genau, um Dinge zu entdecken, die dir helfen könnten, aus der Situation herauszukommen.
Sag dir niemals “hier gibt es nichts”, denn unser Sehsinn und unsere Wahrnehmungsfähigkeit sind sehr begrenzt.
Bevor du wirklich alles “gesehen” hast, was sich in dem begrenzten Raum um dich herum entdecken lässt, musst du deine Umgebung mehrfach und aus verschiedenen Blickwinkeln absuchen.
3. Schaffe eine zusätzliche Option. Menschen in Überlebenssituationen entwickeln oft nur zwei klare Handlungsoptionen, weil ihr Verstand zu gestresst ist, um eine dritte zu finden.
Mit diesem Muster brechen wir.
Statt dir nur zwei Optionen zurechtzulegen, entwickle eine dritte oder vierte. Lass dein Problemlöser-Gehirn von der Leine. Die Ergebnisse deiner eigenen Kreativität können dich überraschen und im Ernstfall sogar retten.
4. Erfolg durch eine Million kleiner Schritte. Es gibt den weit verbreiteten Glauben, dass man zum Überwinden schlechter Chancen einen großen Masterplan braucht, der wie ein Superheld eingreift und alles rettet.
In einer idealen Welt ohne knappe Ressourcen wäre das vielleicht machbar. Wir leben aber in einer deutlich weniger idealen Welt. In Katastrophenzeiten werden die Umstände noch begrenzter und schwieriger.
Wenn du dich also auf eine “große Idee” versteifst, die womöglich zu schwer umzusetzen ist, verzögerst du damit unter Umständen das Entstehen der eigentlichen Lösung. Manchmal braucht es viele, viele kleine Schritte, damit ein tragfähiger Plan überhaupt Gestalt annehmen kann.
Du musst dich kontinuierlich von deiner aktuellen Notlage wegbewegen, damit sich neue Optionen zeigen können.
Lass dich nicht in Verzweiflung sinken, nur weil du keine ideale Lösung für dein Problem findest. Wenn du einen unperfekten Plan hast: Setz ihn um! Ein konkreter Plan ist besser als ein idealer Plan, der sich im Moment nicht verwirklichen lässt.
Denk immer daran: Jeder noch so kleine Erfolg bringt dich der endgültigen Lösung näher. Gib nicht auf, denn niemand erklimmt einen Berg mit einem einzigen Riesenschritt. Selbst die höchsten Gipfel der Welt wurden vom Menschen bezwungen, ein Schritt nach dem anderen.
Wie vermittelst du dasselbe Mindset einer Gruppe?
Angenommen, du führst eine Gruppe und das Unglück trifft euch gemeinsam: Was tust du?
Als Führungsperson kannst du jedes Mitglied darauf einstimmen, das Survival-Mindset zu übernehmen, damit ihr gemeinsam eure Überlebenschancen verbessert.
Stelle sicher, dass jedes Gruppenmitglied versorgt ist, und erkläre eure möglichen Optionen mit klarer, bestimmter Haltung. In Notfällen ist deine Fähigkeit, in jeder Hinsicht bestimmt und diszipliniert aufzutreten, Gold wert.