S SURVIVALTRAINING
Mindset

Das Survival-Mindset entwickeln, Teil 1

Was ist das Survival-Mindset und warum ist es so wichtig?

In unserer bisherigen Serie zum Survival-Training haben wir das Survival-Mindset bereits kurz angesprochen und gezeigt, wie es dir helfen kann, die größten Herausforderungen in der Wildnis zu meistern.

Dabei konnten wir das Thema allerdings nur anreißen. In dieser neuen Serie nehmen wir das Survival-Mindset vollständig auseinander, damit du weißt, wie du es Schritt für Schritt bei dir selbst aufbaust.

Die Psychologie des Überlebens wird seit vielen Jahrzehnten erforscht, vor allem wegen ihrer Bedeutung im militärischen Einsatz. Streitkräfte auf der ganzen Welt bilden ihre Soldaten für den Kampf im Feld aus, doch bevor sie dort bestehen können, müssen sie zuerst ein starkes Survival-Mindset entwickeln.

Wie kannst du dieses besondere Mindset entwickeln?

Du musst nicht beim Militär oder bei der Marine gedient haben, um diese entscheidende Denkweise zu erlernen. Mit den folgenden Methoden kannst du noch heute anfangen:

1. Schlag die Schockstarre in die Flucht. Ungläubigkeit beschreibt einen Zustand, in dem ein Mensch nicht begreifen kann, was gerade passiert ist. Dieser mentale Zustand ist extrem verbreitet bei Menschen, die gerade eine Katastrophe oder eine andere harte, bedrohliche Situation in der Wildnis erlebt haben.

Diese Schockstarre kann massiv lähmen und einen unvorbereiteten Menschen in einen nahezu dauerhaften Zustand der Untätigkeit treiben. Genau deshalb solltest du so schnell wie möglich die Kontrolle darüber übernehmen.

Wie zerlegst du die Schockstarre?

Ungläubigkeit funktioniert wie eine fiese, gut geölte Maschine. Sie ist zerstörerisch und einschränkend, und sie läuft perfekt, wenn du sie einfach gewähren lässt. Du kannst dieses Gefühl nicht einfach “abschütteln” und erwarten, sofort wieder klar denken zu können. Du musst diesen mentalen Koloss Stück für Stück demontieren.

Der erste Schritt: Erkenne alles an, was bis zu diesem Moment passiert ist. Lass nicht zu, dass die Ungerechtigkeit deiner Lage deine Einschätzung vernebelt. Akzeptanz ist der Grundpfeiler dieses Vorhabens. Mach dir klar: Du kannst dein Problem nicht lösen, wenn du dich ihm nicht direkt stellst.

Der zweite Schritt: Wirf alle Gedanken an “Überlebensraten” komplett über Bord. In diesem Moment sind solche Statistiken nutzlose Informationen. Sie helfen dir nicht bei der Lösung des Problems, sie füttern nur deine Ungläubigkeit.

Der dritte und letzte Schritt: Beginne, auf Basis deiner nüchternen Lageeinschätzung einen Plan zu entwickeln.

Denk keine Sekunde lang, dass es unmöglich ist, zu überleben oder das Hindernis zu überwinden. Menschen vollbringen jeden Tag “unmögliche” Dinge. Tausende beweisen immer wieder, dass sich die Chancen schlagen lassen, wenn man es wirklich will.

2. Die Stressreaktion an die Kette legen und kontrollieren. Stress ist eine körperliche Reaktion auf bedrohliche oder schlicht gefährliche Situationen. Der physiologische Stress entsteht aus psychischem Stress, der wiederum durch eine Kombination aus Gedanken und Emotionen ausgelöst wird.

Stress aktiviert die “Kampf-oder-Flucht”-Reaktion und schwemmt Adrenalin ins Blut.

Diese körperliche Reaktion kann in einer brenzligen Lage tatsächlich nützlich sein. Du musst sie aber zuerst bändigen und kontrollieren, wenn sie dir bei deinem Vorhaben helfen soll:

Schritt eins: Beruhige deinen Körper. Stress kann den normalen Puls eines Menschen mühelos verdoppeln. Mit rasendem Herzen kannst du nicht klar denken. Lockere also deine Schultermuskulatur und atme tief und sauerstoffreich durch, um dich körperlich zu entspannen.

Denk daran, durch die Nase einzuatmen, damit du wirklich tief Luft holen kannst. Flaches Atmen durch den Mund ist in Notsituationen nicht zu empfehlen.

Schritt zwei: Analysiere vollständig, was genau passiert ist. Beginne außerdem damit, die verschiedenen Ressourcen zu identifizieren, mit denen du dich aus der Lage befreien kannst.

Schritt drei: Werde wütend! Wohlgemerkt nicht auf dich selbst, sondern auf das Problem. Sag der Situation, sie könne sich zum Mond schießen lassen (oder etwas Deftigeres, wenn dir danach ist).

Wut kann dir einen länger anhaltenden Adrenalinschub verschaffen, und der ist in manchen Situationen überlebenswichtig, etwa wenn du gegen eine starke Strömung schwimmen musst und bereits erschöpft bist.

Schritt vier: Finde dich damit ab, dass du in genau dieser Situation steckst und es keine Abkürzung hinaus gibt. Irgendwann lässt deine Energie nach, und das Adrenalin hilft dir nicht mehr, leistungsfähig zu bleiben.

Wenn du an diesem Punkt angelangt bist, musst du Energie sparen. Viele Überlebende berichten von einem sanften “Einsinken” in die Situation, sodass ihr Verstand nicht mehr von der Ungewissheit und Ungerechtigkeit des Geschehenen aufgewühlt wird. Dieser Geisteszustand kann dir sogar helfen, schneller zu erkennen, was zu tun ist.