Erste-Hilfe-Grundkurs: Blutungen und Infektionen, Teil 2
Wie versorgst du Wunden in einer Katastrophen- oder Notsituation?
Im ersten Teil unserer Serie zur Ersten Hilfe ging es um die richtige Methode, eine bewusstlose Person zu beurteilen und bei Bedarf eine Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) durchzuführen. Wir haben gelernt: Die Sicherheit des Ersthelfers hat oberste Priorität und muss geklärt sein, bevor du mit der Wiederbelebung beginnst.
In diesem Beitrag zeigen wir dir, wie du verschiedene Arten von Wunden richtig versorgst. Wundversorgung ist eine weitere zentrale Fähigkeit, die Infektionen und eine Blutvergiftung verhindern kann, wenn sich jemand während einer Katastrophe verletzt.
Was sind die Ziele der Wundversorgung?
Alle Techniken der Wundversorgung folgen vier großen Zielen:
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Die Blutung zu verringern und, wann immer möglich, vollständig zu stoppen.
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Das Risiko einer bakteriellen oder viralen Infektion durch gründliche Reinigung der Wunde zu senken.
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Die Wunde mit einem geeigneten Verband vor weiterer Verunreinigung zu schützen und den Komfort der verletzten Person zu erhöhen.
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Die natürliche Heilung der Wunde anzustoßen und die Funktion beziehungsweise Beweglichkeit des betroffenen Körperteils zu verbessern.
Wie kannst du eine Blutung kontrollieren oder stoppen?
Eine Blutung entsteht immer dann, wenn Blutgefäße beschädigt oder zerrissen werden.
Alle Arten von Wunden, ob geschlossen oder offen, bluten. Wenn du dich kratzt und die Haut dabei aufreißt, treten vielleicht ein paar Blutstropfen aus. Diese Art von Blutung lässt sich leicht durch leichten Druck auf die betroffene Stelle stillen.
Es gibt jedoch Situationen, in denen eine große Wunde stark blutet und sich der Blutfluss nur schwer stoppen lässt.
Bei einer großen, tiefen Wunde hast du es mit unzähligen beschädigten Kapillaren, Arterien und Venen zu tun, die alle gleichzeitig Blut abgeben. Halte dich an diese Richtlinien, wenn du vor einer stark blutenden Wunde stehst:
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Druck ausüben: Druck auf die blutende Stelle beschleunigt die Gerinnung. Nutze eine saubere Mullkompresse oder ein sauberes Tuch und drücke damit auf die betroffene Stelle. Der Schlüssel liegt in gleichmäßigem, kräftigem Druck auf die Wunde. Drücke aber nicht zu stark, denn das kann die Haut zusätzlich verletzen.
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Die Position der Person verändern: Bitte die verletzte Person, sich hinzulegen, wann immer das möglich ist. Das senkt Blutdruck und Herzfrequenz und verlangsamt so den Blutfluss. Ist die Person ängstlich oder aufgeregt, musst du mit deutlich mehr Blut rechnen, weil ihr Herz doppelt so schnell pumpt.
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Hochlagern: Blutet die Person an Händen, Armen, Füßen oder Beinen, lagere die betroffene Gliedmaße über Herzhöhe. Das reduziert den Blutdruck in den betroffenen Körperregionen.
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In Schichten arbeiten: Es gibt Situationen, in denen Größe und Tiefe der Wunde es dem Ersthelfer nicht erlauben, die Blutung vollständig zu stoppen. Wenn direkter Druck und zusätzliche Kompressen die Blutung nicht stillen, ist die Wunde möglicherweise zu schwer für Erste Hilfe allein. Rufe in diesem Fall den Notruf 112.
Alles, was du an diesem Punkt sicher tun kannst, ist, weitere Lagen sauberer Mullkompressen auf die ersten Schichten zu legen, damit das Blut zuverlässig aufgesaugt wird. Versuche nicht, die unterste Lage direkt auf der Wunde zu entfernen. Das könnte die bereits einsetzende Gerinnung wieder zerstören.
Wie schützt du eine Wunde vor Infektionen?
Große, infizierte Wunden können schnell zum Absterben von Gewebe führen, in Extremfällen sogar zu Wundbrand.
Nachdem du die Blutung gestillt hast, ist die Vermeidung einer Infektion deine nächste Priorität. Mit diesen Schritten senkst du das Infektionsrisiko deutlich:
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Kontrolliere die Wunde mindestens einmal täglich. Entferne Fremdkörper, die auf der Wunde liegen. Steckt etwas tief in der Wunde, versuche nicht, es herauszuziehen. Das könnte weiteres Gewebe beschädigen und Komplikationen verursachen, zum Beispiel Wundstarrkrampf (Tetanus).
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Trage nach der Kontrolle ein Desinfektionsmittel wie Povidon-Iod oder Alkohol auf, um die Wunde und den umliegenden Bereich zu desinfizieren. Achte darauf, dass die Wunde mindestens alle 24 Stunden gereinigt und desinfiziert wird.
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Wurde bereits eine Kompresse aufgelegt, entferne die alte Auflage vorsichtig und ersetze sie durch eine frische.
Alte Kompressen können die Wunde schädigen und werden zur Brutstätte für Bakterien, wenn sie nicht täglich gewechselt werden. Verwende möglichst nicht haftende Kompressen und Wundauflagen, denn diese beschädigen die Wundoberfläche beim Entfernen nicht.
- Fixiere die Auflage immer mit einem ausreichenden Verband, damit die nicht haftende Kompresse nicht verrutscht oder abfällt. Hast du keine medizinische Binde zur Hand, kannst du jedes lange, saubere Stück Stoff verwenden, um die Kompressen an Ort und Stelle zu halten.
Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs. Übe diese Handgriffe unter professioneller Anleitung, z. B. bei DRK, Maltesern oder Johannitern.